Die Wanderin im Nebelmeer

Anne Webers neustes, frisch mit dem Deutschen Buchpreis gekürtes Buch „Annette, ein Heldinnenepos“ geht der Frage nach, wie Heldinnengeschichten heute erzählt werden können und ob es das überhaupt noch gibt. Ein Gesang in Schriftform auf menschliche Versuche nach Idealen zu leben und auf das Scheitern – und gleichzeitig eine Reflexion über literarische Form und wie Vergangenheit und Gegenwart sich treffen können.

Fluide Entgrenzungen und strömende Erinnerungen

Sasha Marianna Salzmanns mehrfach ausgezeichneter Debütroman Außer sich sprengt alle möglichen Grenzen von Zeit, Raum, Sprache und somit auch Identität. Er vereint zahlreiche Diskurse der modernen Globalisierungsgesellschaft. Die persönliche Identitätssuche einer jungen Transperson verbindet sich dabei auf sprachgewaltige Weise mit einem Jahrhundert diasporischer jüdisch-sowjetischer Familiengeschichte.

Individualität oder Homogenisierung?

Wie verändert Sprache unser Bewusstsein? Die Art, wie wir denken und die Welt wahrnehmen? Direkt gefragt: Wie verändert Sprache unser Sein? Und wie verändern Worte Menschen? Kübra Gümüşay macht in ihrem Buch Sprache und Sein deutlich: Sprache verleiht uns Menschen eine Identität. Sie eröffnet neue Bedeutungshorizonte. Sie bietet uns Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Aber Sprache kategorisiert auch. Sie grenzt ab, spaltet die Gesellschaft, politisiert. Dies lässt sich an dem negativen Gebrauch von Sprache bei Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und vielen weiteren negativen Verwendungen feststellen. Sprache ist somit auch Macht. Und kann als ein Mittel von Diskriminierung missbraucht werden.

Was würden Sie mitnehmen?

Stellen Sie sich eine Wüste vor. An was denken Sie? Vielleicht an Hitze. Weite. Sand. Sie sehen keine Bäume. Nur Baracken. Heißer Wüstenwind, der sich zwischen die Bretterwände zwängt, um die Hausecken saust, über die Wellblechdächer streichelt. Stellen Sie sich einen Zaun vor, der sich um Ihre Wüste schließt. Wo würden Sie sein wollen? Vor oder hinter dem Zaun?

„Normal People“ schaffen eine bedeutende Geschichte

Der Roman Normal People von Sally Rooney ist ein Million-Copy -Beststeller: Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und war 2018 Gewinner der Costa Novel Awards und „Buch des Jahres“ bei den Irish Book Awards. Betrachtet man die Rückseite des Buches, finden sich dort zahlreiche weitere Auszeichnungen. Mittlerweile wurde das Buch auch als Serie adaptiert. Doch wie kommt es, dass ein so vielfach gefeierter Roman, der eigentlich nur von dem Leben zweier ganz normaler Menschen handelt, solche Wellen schlägt?

Eine Biographie in Karmesinrot

Manche Bücher geben ein Setting vor, in dem sie gerne gelesen werden möchten. So schlägt man den Liebesroman in türkisem Cover und mit weißer Möwe, die sich über dem Titel erhebt, wohl am liebsten im Liegestuhl im Urlaub auf und den dicken Klassiker nimmt man sich vielleicht eher an einem dunklen Herbstabend im heimatlichen Sessel vor. Es fühlt sich falsch an ein Buch mit dem Titel "Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen" zwischen Tür und Angel, mit zerzausten Haaren oder vielleicht im Pyjama zu lesen.

Alice im Blutrausch

Man nehme eine berühmte Geschichte. Ein Kinderbuch vielleicht, aber eins mit düsterem Potential. Dazu passend noch Blut, viel Blut! So oder so ähnlich könnte das Rezept für Christina Henrys blutigen Fantasy-Horrorroman Die Chroniken von Alice ­– Finsternis im Wunderland lauten, der seit März 2020 auf Deutsch zu lesen ist.

Geschichten hörbar machen

Teil der Kultur der Native Americans ist es, Geschichten zu erzählen und sie weiter zu tragen. Und genau das macht Tommy Orange, der selbst Native ist, in seinem Roman Dort Dort auch. Es werden die Geschichten von zwölf Natives erzählt, in ganz unterschiedlichen Stilen, denn alle haben ihre eigene Stimme.

Medium Kinky Twist

„Ein Medium Kinky Twist, bitte!“ – Sie wissen nicht, was das ist? Das ist egal. Die Herkunft der Reisenden bestimmt im Reiseroman, was erklärt werden muss und was nicht. Und als solchen könnte man Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie sehen.