
von Lilli Rother
Dieser Text entstand im Seminar „Kreatives Schreiben zu Kunst“ bei Anke Fischer im Wintersemester 2023/24. Inspiration waren das Kunstwerk „Erster Sommer“ von Heinrich Vogeler in der Kunsthalle Bremen sowie die Worte „verloren“ und „vereint“.
Sommer war schon immer meine liebste Jahreszeit
Im Garten allein, im Garten zu zweit
Die Rosen blühen kräftig, wie auf meinem Kleid
Zwischen Birken und Blättern, zwischen Liebe und Leid
Blau sind die Augen, blond ist das Haar
Schmaler die Finger, aber ebenso warm
Spitz ist die Nase, lächelnd der Mund
Der Kopf etwas kleiner, aber ebenso rund
Ihre Hand fest geballt, so klammert sie sich
An den einzigen Halt, ihre Mutter, an mich
Eine winzige Faust greift verzweifelt nach nichts
Sieht sie nicht diese Leere in meinem Gesicht?
So fröhlich, so lieblich, so rosig, so sie
Verzaubert die Welt mit ihrer kleinen Magie
Schau herab, sie schaut rauf, so erwartungsvoll
Findet nur, was ich ihr niemals zeigen soll
Eine Mutter gibt alles, eine Mutter ist da
Eine Mutter besteht nicht aus dem, was mal war
Eine Mutter ist liebend, eine Mutter ist stark
Eine Mutter lebt nur in der Gegenwart
Eine Mutter liebt alle ihre Kinder gleich
Und ich liebe sie sehr, die Vergangenheit
Im Leben verloren, im Herzen vereint
Das Kind soll es sein, nicht die Mutter, die weint
Deine Stimme klingt nach wie ein Hall in der Nacht
Und doch bin ich nie zu deinem Schrei aufgewacht
Ich kann nicht bei dir bleiben, muss ihr eine Mutter sein
Im Garten zu zweit, im Garten allein
Gemeinsam gegen das Unheil der Welt
Haben wir uns dem Tode entgegengestellt
Und verloren
Neugeboren