Preaching to the choir?

Foto: privat

Von Annika Schmidt

Die erste Lesung seit Beginn der Pandemie. Nicht nur für mich, sondern auch für OUT LOUD im Kulturzentrum Lagerhaus, der weiblichen Lesungsreihe vom Literaturkontor Bremen, mit Unterstützung des Literaturhauses Bremen. Geballte Literaturpower. Im Publikum geballte Frauenpower, denn es sitzen fast ausschließlich Frauen im Publikum. Ist Feminismus nur etwas für Frauen? Dies war eine der Fragen, die das Publikum an die Autorin Julia Korbik stellte, die an diesem Abend aus ihrem Buch Stand Up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene las.

OUT LOUD nutzt das Programm Mentimeter. Damit können die Zuschauenden mit ihrem Smartphone aktiv an der Lesung teilnehmen. Es können Fragen gestellt werden und zu Beginn gab es ein Quiz über Feminismus. Initiatorin und Moderatorin der Veranstaltung Katharina Mild stellte die Fragen und die Mehrheit des Publikums beantwortete die Fragen richtig. Also eher fortgeschrittene Feminist*innen. War es also eine „Preaching to the choir Veranstaltung“? Und wenn ja, ist das schlecht?

Die Stimmung war gut und locker, sowohl Katharina Mild als auch Julia Korbik waren charmant und gestalteten den Abend mit Spaß an der Sache. Es wurden Themen wie Sexismus und was Feminist*innen überhaupt ausmacht diskutiert. Laut Julia Korbik sollten Menschen, die sich als Feminist*innen bezeichnen auch so handeln. Sich also aktiv für Gleichberechtigung einsetzen und feministisch handeln, und wenn es nur bedeutet Missstände im Alltag zu benennen. Der Begriff Feminismus wurde diskutiert und die Tatsache, dass Feminismus zum Trend geworden ist. Dennoch wird er immer noch kritisiert, vor allem der Begriff. Wie ist es also, immer wieder mit Kritiker*innen zu diskutieren?

Julia Korbik gab zu, dass es schwierig ist und oft ermüdend. Wenn Menschen einfach nur viel reden und viel Hass entgegenbringen, dann bringe ein Gespräch wenig. Trotzdem lohne es sich mit Fakten dagegen zu halten. Es gäbe auch immer mal wieder Leute, die nach dem Lesen ihres Buches oder nach einer Lesung beginnen, sich mit Feminismus zu beschäftigen. Das sollte auch meiner Meinung nach das Hauptziel sein: Menschen dazu bringen, sich zu informieren.

Auf dieser Veranstaltung schienen jedoch alle Anwesenden ziemlich gut informiert zu sein. Was also haben solche Veranstaltungen für einen Mehrwert? Julia Korbik gab an, dass es zwar schön ist, Menschen zu überzeugen, es aber auch viel Kraft koste, sich mit Kritiker*innen auseinanderzusetzen. Daher sei es schön, sich auch gegenseitig zu stärken und Veranstaltungen wie diese gäben viel Kraft. Im Publikum herrschte ein Gemeinschaftsgefühl, da alle schon mit Feminismus in Kontakt waren.

Ich habe an diesem Abend kaum neue Fakten dazu gelernt und trotzdem war es ein toller Abend, den ich sehr genossen habe. Das Gemeinschaftsgefühl, der Kampf für eine gemeinsame Sache, sympathische Menschen, all das führte tatsächlich dazu, dass der Abend stärkend war, auch für mich. Es ist also nicht immer wichtig, neue Leute zu überzeugen. Dennoch kann auch ich sicher noch viel von Julia Korbik lernen. In ihrem Buch versammelt sie viele verschiedene Feminist*innen, bekannte und weniger bekannte, mit einigen führte sie Interviews. Es war ein schöner Abend, der daran erinnert hat, dass wir weiter zusammen kämpfen und uns informieren müssen. Stand Up von Julia Korbik ist dafür sicher ein guter Ausgangspunkt. Für Anfänger*innen und Fortgeschrittene.

Das war erst der Start der OUT LOUD Reihe, bis Dezember wird es noch fünf weitere Veranstaltungen geben. Diese sind sicher ebenso inspirierend, um sich über verschiedene Aspekte von Feminismus und starke Frauen zu informieren.

Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene, Julia Korbik, 2019, Kein & Aber, 432 Seiten, 24,00 €.
Lesungsreihe im Kulturzentrum Lagerhaus: www.outloud-bremen.de

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