Humor durch Normalität?

Foto: privat

Von Annika Schmidt

Superbusen! Super Titel? Autorin Paula Irschmler ist sich sicher: Viele haben in der Buchhandlung lieber nicht nach diesem Buch gefragt. Und doch ist ihr Roman ein großer Erfolg. Bei der OUT LOUD Lesungsreihe im Kulturzentrum Lagerhaus las sie aus Superbusen und brachte das Publikum mit ihrer nüchternen Vortragsweise häufig zum Lachen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Katharina Guleikoff, die passend zum Buch Pfeffi mitbrachte. Leider wurde der nur auf der Bühne ausgeschenkt.

In Superbusen geht es um die junge Frau Gisela (deren Name eigentlich ein anderer ist), die in Chemnitz studiert und von ihrem Leben dort erzählt. Von Nazi-Aufmärschen und linken Gegendemonstrationen, von tiefer Freundschaft zwischen Frauen, vom WG-Leben, vom Klauen in Supermärkten, dass „wie Containern nur vorher“ sei und von der Gründung einer Band, in der zunächst niemand so richtig ein Instrument spielen kann: Superbusen.

Katharina Guleikoff stellt es zwischendurch richtig fest: Viele fühlen sich mit Gisela verbunden, weil es sie an ihre eigene Studien-Zeit erinnert. An den Pfandberg auf dem Balkon, die WG-Küche als Zentrum der Wohnung und das stundenlange Reden über das, was eigentlich alles so gemacht werden müsste. Viele erinnern sich daran zurück oder befinden sich noch in dieser Zeit und können deswegen so herzlich über diese Szenen lachen.

Wo es Erfolg gibt, gibt es auch Kritik. Einige Rezensenten sagen, der Roman sei zu kolumnenhaft und banal. Paule Irmschler stimmt dem ersten Punkt mittlerweile zu und möchte sich für ihren nächsten Roman mehr Zeit nehmen. Doch die Banalität ist genau das, was diesen Roman ausmacht. Sie bekam viele Rückmeldungen, dass sich Frauen bestätigt und verstanden fühlen, weil Gisela ein ganz normales Leben lebt, aus keiner wohlhabenden Familie kommt und beim Lesen der Eindruck entsteht, man würde einer Freundin dabei zuhören, wie sie von ihrem Leben erzählt. Auch beim Publikum kam diese umgangssprachliche Art sehr gut an. Der Roman beschreibt eine ganz normale Lebenswelt, in der viele von uns sich einmal befanden oder immer noch befinden. Es ist die Normalität, die hier durch die Sprache so humorvoll wird. Ich war selten bei einer Lesung, bei der so viel und herzlich gelacht wurde. Das lag nicht zuletzt auch an der sympathischen Art der Autorin und auch der Moderatorin.

Mein Highlight des Abends war die spontane Gesangseinlage von einem Superbusen-Song über Menstruation. Paula Irschmler sang und Katharina Guleikoff summte die Melodie von Bruttosozialprodukt, auf dessen Melodie der Song basiert. Ich hatte Tränen in den Augen vor Lachen und konnte gleichzeitig so gut die beschriebenen Zustände nachvollziehen. Was für ein Glück, dass diese Ausgabe von OUT LOUD aufgezeichnet wurde und demnächst auf Bremen Zwei ausgestrahlt wird. Haltet die Augen und Ohren offen, auf Instagram werde ich den Termin posten, sobald er feststeht, denn das sollte sich niemand entgehen lassen!

OUT LOUD wurde initiiert von Katharina Mild und wird veranstaltet vom Bremer Literaturkontor, mit Unterstützung des Literaturhauses Bremen. Die Veranstaltung wurde von Bremen Zwei präsentiert.

Superbusen, Paula Irmschler, claassen-verlag, 302 Seiten, 20,00 €.
Mehr zu OutLoud: www.outloud-bremen.de

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