von: Inga Renz, Máté Babó, Kristin Krüger, Elisa Kraus-Zolnowski, Louisa Conradi, Marie Hambach
Folgende Schreibübungen sind im Sommersemester 2026 vor, mit und über eine Collage von Anys Reiman in ihrer Ausstellung Mirrorball in der Weserburg, Museum für Moderne Kunst, entstanden. Die Künstlerin sagt von sich, „Ich bin viele“. Viele – und sich dessen bewusst zu sein, erleichtert es, die Perspektive wechseln zu können. In einem Seminar des Master-Studiengangs „Transnationale Literaturwissenschaft“ haben wir Perspektivwechsel eingeübt, indem wir unterschiedliche Standorte eingenommen und eines der Bilder aus der Ausstellung vor Ort, aus der Erinnerung und durch die Augen anderer Personen beschrieben haben.
Beschreibung D, vor Ort
Ich kann drei weiblich gelesene Personen vor schwarzem Hintergrund erkennen. Alle Personen sind aus Körpern zusammengesetzt, die aus einzelnen Teilen bestehen. Trotzdem kann man sie als Ganzes erkennen. Die Person in der Mitte steht mit dem Rücken zum Betrachter, das Gesicht, das ebenfalls aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist, ist zum Betrachter gewandt.
Beschreibung D, aus der Erinnerung
Auf dem Bild sind drei Schwarze, stehende weiblich gelesene Personen zu erkennen. Der Körper der Person in der Mitte verdeckt die hinteren beiden teilweise. Alle drei Körper sind wie eine Collage aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt, die an aus Zeitungen ausgeschnittene Bilder erinnern. Auf dem Bild dominieren die Farben schwarz, lila und silber, auch in der Kleidung der Personen, die eher schick und partytauglich ist. Während die Person in der Mitte direkt in die Richtung des/der Betrachter*in schaut, ist der Blick der Person rechts von ihr weiter nach außen gerichtet. Die Person ganz links hält ein Glas in der Hand.
Beschreibung A, vor Ort
- schwarzer Hintergrund
- drei stehende Personen, aneinandergeschmiegt
- Person mittig schaut Richtung Betrachter*in, mit dem Rücken zu uns gewandt,
– glänzendes lila Paillettenkleid, dreht sich
– zwinkert mit dem einen Auge, lila blau glänzende Augenpartie ( > Form interessant), Mund auch glänzend rötlich
- Person links, bläulich silberglänzender Körper, Gesicht collagenartig getrennt (wellenförmig), Hand an Hüfte, andere auf der Schulter der in der Mitte stehenden Person, blickt nach unten
- Person rechts: blickt in die Ferne, lehnt sich nach außen, hält Hand von der in der Mitte stehenden Person, glänzend weiße Hände, rötlich farbige Augen, blauer glänzender Mund, Haare durch das linke Auge (collagenartige Überschneidungen), weißes Top, blaue Jeans
Beschreibung B, vor Ort
Auf dem Bild sind drei weiblich gelesene Personen zu sehen. Alle drei tragen ‘Partykleidung’. Es handelt sich um eine collagenartige Zusammenstellung vor einem schwarzen Hintergrund.
Die Person in der Mitte trägt ein kurzes, glitzerndes, violett-schimmerndes Cocktailkleid, das etwa bis zur Mitte des Rückens ausgeschnitten ist. Dadurch sieht man einen weißen Streifen, der vermutlich ein BH sein könnte. Sie steht mit dem Rücken zur Betrachter:in des Bildes. Ihr Blick ist dabei über die linke Schulter auf die Betrachter:in gerichtet, wobei ihr rechtes Auge geschlossen und ihr linkes Auge geöffnet ist. Diese Person hat kurzes, schwarzes, hochtoupiertes Haar.
Die beiden anderen Personen befinden sich jeweils rechts und links von ihr. Ihre Körper sind nach vorne gerichtet. Die Blicke starr nach rechts. Die Person auf der linken Seite trägt ein schwarzes Kleid, wobei ihre Brust unbedeckt ist. Sie stemmt ihre rechte Hand in die Seite und hat die linke Hand auf der Schulter der mittigen Person abgelegt. Ihre Augen sind geschlossen. Vor ihrem Körper sind die rechte Hand der mittleren Person und die rechte Hand der linken Person zu sehen, die miteinander verschränkt sind. Diese Person hat kurzes, hellblondes, dicht gelocktes Haar. Die Person auf der rechten Seite trägt ein weißes Oberteil, das tief ausgeschnitten ist. Dazu trägt sie einen grün-blauen Rock oder eine Hose. Was genau, ist nicht klar erkennbar. Ihr Blick ist ebenfalls nach rechts gerichtet. Ihre Augen sind jedoch geöffnet und ihr Kinn ist leicht nach oben gekippt. Ihre linke Hand hat sie locker an die eigene Hüfte gelegt und dabei den Daumen durch die Schlaufe ihrer Hose (?) gesteckt. Ihre Haare sind dunkelbraun und an den Seiten abrasiert, sodass sie zu einer Art Irokesenschnitt in der Mitte ihres Kopfes hochstehen.
Die Haut der drei Frauen ist in verschiedenen Farbtönen von Grau und Silber (primär bei der Person auf der linken Seite) bis Braun und Lila (Person in der Mitte) und Dunkelbraun mit gelben und ockerfarbenen Akzenten (Person auf der rechten Seite).
Beschreibung B, aus der Erinnerung
Auf dem Bild sind drei weiblich gelesene Personen zu sehen. Alle drei tragen Kleidung, die an ‘Partykleidung’ erinnert. Es handelt sich um eine Collage vor einem schwarzen Hintergrund.
In der Mitte befindet sich eine Person in einem violetten kurzen Kleid, die mit dem Rücken zur Betrachter:in des Bildes steht und über ihre linke Schulter nach hinten schaut. Sie hat kurze, schwarze hochtoupierte Haare. Ihre Haut ist in verschiedenen Braun- und Silbertönen gehalten. Sie hat eine Hand in die Seite gestemmt, mit der anderen hält sie die Hand der Person mit dem weißen Oberteil.
Die Person auf der linken Seite trägt ein schwarzes kurzes Kleid, wobei die Brust dieser Person nicht bedeckt ist. Diese Person ist mit ihrem Körper nach vorne ausgerichtet. Sie schaut nach links, hat aber die Augen geschlossen. Ihre Haare sind kurz, lockig und blond. Ihre Haut ist in verschiedenen Grautönen mit violetten Akzenten gehalten. Sie hat eine Hand in ihre Hüfte gestemmt. Die andere Hand hat sie auf der Schulter der Person mit dem violetten Kleid abgelegt.
Die Person auf der rechten Seite trägt ein weißes Oberteil mit einem tiefen Ausschnitt und einen blauen Rock. Diese Person schaut nach links und hat dabei die Augen geöffnet. Ihre Haare sind kurz und dunkelbraun. Ihre Haut ist in verschiedenen Brauntönen mit ockerfarbenen Akzenten gehalten.
Alle drei Personen haben einen starren Blick.
Beschreibung A, aus der Perspektive meiner Oma
Meine Oma betrachtet meine Mutter, die sich gespannt ein Bild anschaut. Meine Oma sieht ihr angespannt zu. Und sieht nicht, wie meine Mutter ihren linken Daumen durch eine ihrer Gürtelschlaufen gefädelt hat und sich mit dem Oberkörper zum Bild lehnt. Meine Oma stellt sich dicht neben meine Mutter. Sie stemmt ihre rechte Hand in die Hüfte, um etwas von der Schwere ihrer eigenen Schulter an ihre Hüfte weiterzugeben. Die andere Hand legt sie erschöpft auf die Schulter meiner Mutter. Meine Mutter spürt die Hand ihrer Mutter auf ihrer Schulter. Sehen tut sie sie nicht.
Sie hört nur: „Aschi, sag mal, weißt du, wie lange die Ausstellung nochgeht? Rolf wartet doch zuhause auf uns… Die Luft ist etwas stickig und kratzig… Ichhabe in meiner Tasche noch… willst du einen Bonschi? Rolf langweilt sich bei Sanibestimmt. Gestern wollte er nicht vom Sofa. Und dann saß er dort. Hat keinen Ton vonsich gegeben, saß einfach nur da, reglos auf dem… Sofa. Nicht, dass er die Tablettennicht einnehmen will.“ Der Blick meiner Mutter verharrt einen Moment weiter auf dem Bild. Dann dreht sie sich um und sagt: „Sani, wollte noch Abendessen für Rolf machen. Mama, sie weiß dochauch Bescheid mit den Tabletten.“ Meine Oma nimmt ihre Hand von der Schulter meiner Mutter. Meine Mutter spürt, wie sich der Widerstand auf ihrer Schulter löst und dreht sich um. Meine Mutter sieht meine Oma an, die gerade zu einer Bank aufbrechen möchte, aber kurz stockt. Vielleicht fragt sich meine Oma, ob die Bank Teil der Ausstellung ist, oder nicht. Meine Mutter greift die Hand meiner Oma und zieht sie vorsichtig zu sich heran. „Wollenwir noch eine halbe Stunde bleiben. Mama, wie gefällt dir das Bild?“„Das da“, meine Oma sucht sich einen Punkt auf dem Bild und posaunt,„der Mann, ne die Frau, meine ich, in der Mitte sieht etwas zusammengequetscht aus.“
– „Wie meinst du das?“
– „Naja, mit dem Mund. Sieht komisch aus. Und, ich dachte die jungen Leute tragen keinen Irokesen mehr. Es kommt wohl tatsächlich alles wieder in Mode. Auch, dass Männer Kleider tragen.“ Sie stemmt ihre rechte Hand in die Hüfte. Sie legt die andere Hand auf die Schulter meiner Mutter, schaut ihr dabei auf die Nase und atmet tief und wehleidig aus. „Die Luft hier drinnen ist nicht gut. Das Wetter wäre wunderbar für einen Kaffee gewesen. Schade. Die nächsten Tage wird es bestimmt wieder regnen. Kommst du morgen eigentlich vorbei?… Der, zeigt auf einen Mann ein paar Meter entfernt,„sieht so aus, als ob er gleich Feierabend hat. So ein Kleid hatte ich früher ebenfalls. Nur nicht in lila. Und meins hat auch nicht so am Po geglitzert.“ Sie nimmt die Hand von der Schulter ihrer Tochter. „Ich weiß gar nicht, wo das gelandet ist, hatte ich dir das gegeben? Oder haben wir das verschenkt? Das wäre doch etwas für Lucie… Warum haben die eigentlich blauen Lippen. So sieht Rolf auch immer nach dem Schwimmen aus. So sah Rolf auch immer nach dem Schwimmen aus.“ Sie legt die Hand auf die Schulter meiner Mutter. „Findest du es nicht auch etwas stickig hier. Ich wusste gar nicht, dass dir Kunst so gefällt. Dabei… in Florenz hat es dir im Kunstmuseum auch sehr gefallen. Da wart ihr beide, du und Sani, noch so jung. Und danach waren wir noch in der Disco. Auch Rolf.“ Sie drückt ihre Finger etwas tiefer in die Schulter. „Mir gefällt, wie die Gesichter geschichtet sind. Wie sie dabei wohl vorgegangen ist? Wahrscheinlich Körperteile aus Zeitschriften ausgeschnitten und neu angeordnet. Die Flecken im Gesicht, ja die sehen ganz lustig aus. Aber schon ganz interessant, dass sie metallisch glänzen. Mit einer Schere in Zeitschriften herumschneiden meintest du gerade. Mmh. Moderne. Kunst. Als Jugendliche hätte ich das auch gerne anschauen können, aber dafür war keine Zeit.“ Meine Oma fädelt ihren linken Daumen durch ihre Gürtelschlaufe und lehnt sich etwas zum Bild, schließt ein Auge, kneift konzentriert ihren Mund zusammen und sagt: „Ich frage mich, warum die eine nackt auf der Tanzfläche steht mit der Brust draußen. Aber warum auch nicht?“
Meine Oma sieht sich das Bild an. Vielleicht sieht Mamas Mama in dem Bild wie sie früher öfter in die Stadt gefahren ist, um auszugehen. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht sieht sie, wie sie in Hamburg in einer Bar war. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht auch, weil diese gar nicht mehr existiert – weder das Telefon an ihrem Tisch, mit dem sie einen anderen Tisch angeklingelt hat, gespannt darauf, was passieren wird, noch die Tanzfläche auf der sie mit ihrem Telefon-Date eng umschlungen getanzt hat.
Sie greift die Hand ihrer Tochter: „Wollen wir uns etwas bewegen, Aschi?“
Beschreibung E, aus der Perspektive meiner Oma
Was für tolle Frauen! Wo gehen sie hin? Kann ich mitkommen? Ich werde sie fragen. Ich wünschte, ich hätte das gleiche Top wie die Dame rechts. Es erinnert mich an Marilyn Monroe. Die drei sehen aus, als würden sie rauchen. Das finde ich toll. Gut, dass ich genug Zigaretten für uns alle dabei habe. Das wird auch gut zu unseren Outfits passen, wenn wir rauchen. Sie sehen auch nicht aus, als würden sie ins Glas spucken – Klasse! Dann können wir erst einmal etwas trinken gehen, bevor wir tanzen.
Alle drei Damen haben schöne Hände. Solche Dinge fallen mir sofort auf. Gut manikürt und gepflegt. Ich werde sie fragen, wo sie dafür hingehen. Tolles Auftreten und diese schönen Münder. Uli und ich müssen die drei unbedingt zu unserer nächsten Party einladen. Die anderen Gäste werden staunen, aber gerade das gefällt mir. Mir ist wichtig, wie andere mich sehen, aber gleichzeitig lege ich Wert darauf, aufzufallen – gerne auch durchs Anderssein.
Das verbindet mich irgendwie mit diesen Frauen oder zumindest bilde ich mir das ein. Sie sind eigentlich nur drei Frauen, vielleicht wollen sie gar nicht auffallen, aber ich denke, dass sie merken, dass es unausweichlich ist und sich deshalb erst recht so schminken und kleiden, wie sie es tun. Wenn Menschen ohnehin gucken, dann sollte man ihnen auch etwas bieten, sage ich immer.
Beschreibung C, aus der Perspektive meiner Oma
Sie wissen, wie man feiern geht! Ihre Kleider sind toll. Die Frisur gefällt mir aber nicht. Länger wäre schöner gewesen. Schade. Es ist selbstverständlich, dass sie keine BH‘s tragen. Letztendlich gehen sie doch feiern und wollen gefallen. Ich würde es auch so machen. Schade aber, dass es nur Frauen sind. Natürlich langweilen sie sich nicht, aber ein paar heiße Typen im Hintergrund, das hätte mir gefallen. Sie stehen auch zu eng aneinander und wirken zu distanziert. Bisschen Unerreichbarkeit ist gut, aber so werden sie die Typen ganz abschrecken. Das will doch am Ende keiner. Egal, so einen Jeansrock hatte ich auch schon mal. Er ist jetzt oben im Schrank… Ich kann ihn vorne nicht mehr zu machen. Das ist echt peinlich, ich sollte wieder eine Saftkur machen. Sie haben eine wirklich tolle Figur. Ich kann total verstehen, dass sie sich so locker bekleiden. Das ist richtig so. Dass ihre Brust frei ist, das ist ein bisschen zu viel, aber das ist nur die Kunst. Echt schade nur wegen ihrer Frisur. Aber das liegt bestimmt an ihrer Kultur. Ich finde es aber wirklich nicht hübsch.
Beschreibung B, aus der Perspektive meiner Großmutter
Was für einen Mehrwert soll das jetzt haben, sich solche Bilder anzuschauen? Da gab es tatsächlich jemanden, der sich das angeguckt hat und ihr dafür auch noch Geld in die Hand gedrückt hat. Eigentlich gibt es ja auch wichtigere Dinge, mit denen man seine Zeit verbringen kann.
Beschreibung D, aus der Perspektive meiner Chefin
Was für ein spannendes Bild! Und so wichtig! Ich muss unbedingt vielen Leuten davon erzählen – Schwarze Kunst sollte viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht kann ich es inhaltlich mit meiner Arbeit verknüpfen, ich sollte unbedingt mit der Künstlerin sprechen. Ich hoffe, viele Leute bekommen mit, dass ich hier war.
Beschreibung C, aus der Perspektive meiner Kunstlehrerin
Tolle Kunst! Die Komposition ist gut, die Figuren sind gut platziert, man kann einiges davon abgucken. Es ist eine Collage, man erkennt aber auch spannende malerische Elemente. Die Darstellung basiert stark auf Flächen und Licht. Insbesondere die Person an der linken Seite gefällt mir sehr. Ihr Körper ist sehr plastisch dargestellt, wie eine griechische Statue. Das macht auch Sinn, wenn man den Titel liest. Moiren, das kommt aus der Mythologie. Ich würde aber gar nicht so viel versuchen herauszufinden, was die Künstlerin motiviert hat. Zu meiner Kunst hat der Kurator bei meiner letzten Ausstellung auch allen möglichen Quatsch geschrieben, den ich gar nicht dabei gedacht habe.
Beschreibung D, aus der Perspektive meiner Großmutter
Ich weiß nicht, ob ich dieses Bild verstehe. Ich kann anerkennen, dass es gute Kunst ist –
sie gefällt mir. Doch es scheint eine Aussage mit dem Bild verbunden zu sein, die mir
verschlossen bleibt. Vielleicht ist es mir zu modern, die Klamotten der Frauen und die
Freizügigkeit. Das Bild löst etwas in mir aus, das ich nicht zuordnen kann, ich fühle mich
davon herausgefordert und mit Fragen zurückbleibend.
Beschreibung C, vor Ort
Dreieck von Blicken.
Eine von den drei Personen schaut nach außen, winkt.
Verzieht den Mund? Trägt Schmuck – Ohrringe auf einer Reihe.
Die Kleider sind körpernah, das Material wirkt weich, bequem, sanft.
Die Gesichter wirken aber streng, seriös, distanziert.
Die drei Personen bilden eine geschlossene Gruppe.
Position der Hände: eng am Körper. Teilweise miteinander verbunden.
Position der Figuren: eng beieinander. Beine werden nicht abgebildet. Wirken wie Büsten / Statuen. Viel sichtbare Haut.
Augenpartie vom Gesicht in der Collage getrennt.
Wie eine Maske (Blick an uns gerichtet, Augen verdunkelt, nach unten gewandt)
→ b) wie ein Patch (Blick an uns gerichtet, auf Augenhöhe)
→ c) Augen sind das unterste, “realste” Layer der Collage, aber sie sind durchgekratzt (?), der Blick ist in die Ferne gerichtet.
Beschreibung C, aus der Erinnerung
Drei schwarze Frauen stehen in der Mitte des Bildes und bilden ein Dreieck. Sie stehen offenbar in einer Beziehung zueinander und bilden eine geschlossene Gruppe. Gleichzeitig stehen sie aber auch jede für sich. Ihre Blicke sind unterschiedlich ausgerichtet. Die linke Person schaut nach unten zu uns, ihre Augen sind verdunkelt. Die rechte Person schaut aus dem Kreis heraus in die Ferne, während die in der Mitte direkten Blickkontakt sucht und damit das geschlossene Dreieck öffnet.
Die Kleidung der Frauen ist körpernah und bedeckt wenig Haut, eventuell mit erotischem Unterton. Die Farben sind dunkel mit grauen und erdigen Tönen, wobei vieles auch metallisch wirkt. Die Stoffe wirken besonders weich, vielleicht im Kontrast zu den relativ strengen und selbstbewussten Gesichtsausdrücken. Die Mode und der Schmuck erinnern an Feiern und 80er Jahre. Die Figurengruppe wird nur von oberhalb der Hüfte dargestellt. Sie hat eine statuenhafte Wirkung. Der Hintergrund ist schlicht, die Figurengruppe steht absolut im Mittelpunkt. Die Collage-Technik wird insbesondere bei den Augenpartien auffällig: Sie sind vom Körper/Gesicht abgetrennt, indem sie sich auf einer anderen, darunter oder darauf liegenden Schicht befinden.
Beschreibung F, vor Ort
Schwarz – aus dem drei weiblich gelesene Personen herauskommen, herauswachsen, herausstechen.
Links, das kühle blonde krause Haar im Kontrast zur Licht reflektierenden schwarzen Haut. Kein Lächeln im Gesicht, doch kleine Lachfältchen in der Nähe des Mundwinkels. Die Augen herabschauend, dunkel, schwarz. Am hellsten die Hand, die die Hand der Person in der Mitte greift, sie zu sich zieht. Ihre eigene bläuliche liegt auf den Schultern der Person in der Mitte. Ein Körper gekleidet in einem violetten Kleid, Pailletten besetzt, Jeans darunter. Tiefer Rückenausschnitt, verdrehter Hals um uns das Gesicht zeigen zu können.
Ein schmerzhaftes zusammen gekniffenes Auge, das andere lasziv. Der Mund verzogen zu einer Schnute und das Ohr besetzt mit etlichen Ohrringern und -steckern.
Das Haar schwärzer, als der schwarze Hintergrund.
Daneben ein schwarzer Körper. Brüste in einem weißen Top gepackt. Blue Jeans und Lederhose. Manikürte Hände.
Das Gesicht unterteilt in mehrere Abschnitte. Das linke Auge davon, weiße Haut. Krauser Iro, kurz. Blick in die Ferne. Der Mund geschlossen, als bräuchte sie nichts mehr zu sagen.
Beschreibung F, aus der Erinnerung
Drei weiblich gelesene Personen stechen aus einem schwarzen Hintergrund hervor.
Das weiß-blonde kurze Haar der linken Figur steht im starken Kontrast zur dunklen, bläulichen Haut. Die Lichtreflexion lässt diese glänzen. Ihr Gesicht ist uns nicht ganz zugewendet. Ihre halb geschlossenen Lider verstecken ihren Blick. Der Mund geschlossen.
Ihr Oberkörper ist nackt. Die Brust und Hand heller als der Rest des Körpers. Der Unterkörper verschmilzt mit dem Hintergrund.
Rechts eine Figur mit einem kurzen Irokesenhaarschnitt. Sie tritt aus dem Bild hervor, aber schaut uns nicht an. Vielmehr an uns vorbei in die Ferne. Das eine Auge, von einem anderem Körper, mit nassen Haaren. Schaut uns dieses eine Auge an?
Das Oberteil ist offen, weiß. Die Hose zum einen Teil eine enge Blue Jeans, der andere Teil schwarz und aus Leder. Eine manikürte Hand stützt sich auf die Hüfte.
Im Zentrum ein Mensch der uns den Rücken zuwendet.
Spaghettiträgerkleid, lila Pailletten, tiefer Rückenausschnitt. Eine Jeans darunter. Der Hals verdreht, damit wir das Gesicht sehen können. Das eine Auge schmerzhaft zusammen-gekniffen, das andere schaut uns lassiv an. Der Mund zu einer Schnute verzogen. Das Haar dunkler als der Hintergrund und kurz – oder hochgesteckt?
Beschreibung E, vor Ort
Die drei Moiren stehen vor mir. Schicksalsgöttinnen, die unterschiedlich sind und dennoch eine Einheit bilden. Ihre Kleidung ist freizügig, eng und fehlt gänzlich an manchen Stellen. Doch die Moiren stört das nicht. Sie wirken selbstbewusst, wie eine Einheit, die sich schminkt, frisiert und kleidet, nicht um anderen zu gefallen, sondern sich selbst. Drei Frauen, die aus verschiedenen Bildern zu einer Collage zusammengestellt wurden. Ihre Körper, besonders ihre Hände und Gesichtsausdrücke ziehen den Blick auf sich. Die Hände strahlen Selbstsicherheit aus, sind lässig, in die Hüften gestemmt oder berühren einander. Zwei der Moiren halten sich an den Händen. Die Frau in der Mitte steht mit dem Rücken zu uns, wirft uns einen Blick über ihre Schulter zu. Ihr violettes Kleid blitzt, blinkt und glitzert, ihr Rücken frei. Ihr Gesichtsausdruck ist ein Amalgam aus einem Kussmund, Zwinkern und eventuell auch Verdruss. Eine Moira hat ihre Hand auf ihrer Schulter liegen. Sie fällt durch ihre starke Haltung und ihre entblößte Brust auf. Sie scheint auf uns herunterzublicken. Ihre Kleidung ist nicht als alltäglich erkennbar und erinnert an Haute Couture, Kleidung, die nicht zum Tragen gemacht ist, sondern als Kunstwerk. Die dritte Frau schaut in die Ferne, sie wirkt abgelenkt. Ihr enges, weißes Top schmiegt sich an ihren Körper. Ihre Hände vereinen sie, ob sie Hand in Hand dastehen oder ihre Hände auf der Schulter der anderen ruhen. Alle wirken bruchstückhaft und doch wie eine geschlossene Einheit – ein Ganzes.
Beschreibung F, nach einem Gespräch mit meiner Großtante
Ganz schön… Vor allem der Hintergrund! Also, dass der nicht so weiß ist, meine ich. Das ist mal eine andere Idee. Was Neues! Hab ich vorher noch nie so gesehen.
Das haben wir früher auch so gemacht! Ja genau, die Zeitungsausschnitte genommen und die dann neu zusammengesetzt.
Altes zu Neuem.
Toll!
Aber nackte Brüste gab es damals nicht in der Wochenzeitung, auch nicht in den teuren Illustrierten. Nackte Brüste gab es, wenn nur auf dem Strich – bis die 70er kamen, dann waren sie überall. Love, Peace und Harmony und auf einmal war der nackte Körper Thema und auf einmal Intimbehaarung politisch.
Was geht das überhaupt jemanden an? Also ich verstehe schon, warum sie ihre Brust zeigt – eine schöne Brust –, aber muss das sein? Muss ein Frauenkörper denn immer etwas sagen, immer eine Meinung vertreten?
Ganz schön arroganter Blick, aber auch irgendwie stark. Und die Haltung! Sie lässt sich bestimmt nichts sagen!
Frech!
Tolles Kleid! So eines hatte ich früher auch.
Beschreibung F, nach einem Gespräch mit meiner Tante
Wie wunderschön diese freien Frauen sind! Wie unglaublich stark – JA!
Diese Erhabenheit, niemand kann ihr das Wasser reichen!
Wie sie uns zuzwinkert und mit uns spielt! Wie selbstbewusst und präsent alle drei Frauen sind. Zwar wäre es bildkompositorisch ganz logisch, dass die Frau in der Mitte als Erste unseren Blick einfängt, aber die beiden anderen stehen ihr in nichts, in rein gar nichts, nach!
Die Rechte sticht durch ihr weißes Top und ihren starken, nach vorne gerichteten Blick hervor und die Linke durch ihre präsente Haltung. Alles um sie herum scheint unwichtig.
Und so ist es doch auch!
Nichts ist wichtiger als die Beziehung zu dir selbst und der Gemeinschaft. Es ist so wichtig, gerade in diesen Zeiten, zueinander zu stehen, sich die Hände zu reichen und sich zu wehren!
Wir sind alle starke Frauen!
Beschreibung A, aus der Erinnerung
- Drei Personen, aneinandergelehnt, Hände haltend, im Zentrum des Bildes: erst nach genauerem Hinschauen wird ersichtlich, wem welche Hand gehört
- dunkler einfarbiger Hintergrund
- ernste Blicke, z. T. dem/der Betrachter*in abgewandt
– collagenartige Gestaltung der Haut
– silbrig-glänzend
– besonders in der Augenpartie, viele abgerundete silbrige Flächen
- Disco/Tanzkleidung
- kurze Haare (glänzend)
– „dynamische“ Positionen
—> das Bild verlassen wollen, aber sich aneinander festhalten