Ein seltsames Jahrhundert spricht

„Ich betrachte Sie in Ihrem seltsamen Jahrhundert voller Verwunderung.“ So beginnt Chevalier*Chevalière d’Éon den Bericht über das eigene Leben und unser „seltsames Jahrhundert“ schaut verwundert zurück.

Einanderertragen und die Therapie

Am Rande des Unmöglichen führt uns der gefeierte niederländische Autor Arnon Grünberg durch die Abenteuer des Protagonisten in Zeiten von #MeToo. Was bereits eine starke Idee für den Entwurf eines Romans zu sein scheint, wird zu einem feinen Werk mit bissigem Humor und großem Witz, das meisterhaft Themen in der Tonart des Todes-Eskapismus artikuliert: Realität, (Meta-)Fiktion, Absurdität, Autobiographie, Geopolitik.

Gegen das Vergessen

Terézia Mora lädt in ihrem neusten Buch „Fleckenverlauf. Ein Tage- und Arbeitsbuch“ in ihre Welt ein. Eine Welt, durch die Figuren ihrer Bücher auf der Straße spazieren, in der Ideen auf dem Asphalt kleben und in der Zeit und Lektoren ewige Verfolger in Tagebucheinträgen sind. 7 Jahre lang lässt die Autorin uns Zuschauer ihres Lebens sein.

Robin Bertram

Meine Deutschlehrerin hat mal gesagt, ich könne doch schreiben. War vielleicht als Aussage gemeint und nicht als Berufsvorschlag, aber jetzt studiere ich Literaturwissenschaften und schreibe über Geschriebenes. Ist doch auch schreiben.

Über die Suche nach Erinnerung und das Erzählen von Unerzählbarem

Ein Roman über die Bedeutung und die Grenzen des Erzählens, den Umgang mit Erinnerung und die Dimensionen (kultur-)politischer Dynamiken. Mit ihrem Debüt kreiert Lana Bastašić eine intensive Auseinandersetzung mit der jugoslawischen Geschichte und spielt dabei gekonnt mit Politischem und Persönlichem, Öffentlichem und Privatem.

Roman und Protagonist zwischen den Fronten

Olga Grjasnowas neuester Roman der verlorene Sohn erzählt parabolisch von Entwurzelung, Identität, Macht und Ohnmacht – und das alles hübsch verpackt in die Motive eines Historienromans im Zarenreich des 19. Jahrhunderts. Kann das wirklich zusammenpassen?

Entfremdung, Alltagsflüchte und Märchenhaftes

Sich entfremdende Generationen, alltägliche Ängste, Unsicherheit und Überforderung. Vergangenheit und Gegenwart scheinen dabei untrennbar miteinander verworren zu sein. In ihrem Bestseller-Roman vereint Anna Katharina Hahn viele Themen.

Im ehemaligen Paradies

Heute liegen die Malediven im Durchschnitt 1,50 Meter über dem Meeresspiegel – und der steigt rasant. Hat der Inselstaat eine Zukunft und wie sähe die aus? In Roman Ehrlichs Vision Malé ganz schön chaotisch. Ein bemerkenswerter Roman über eine Gesellschaft nach dem ökologischen Zusammenbruch.

Eine Welt – mehrere Blickwinkel

Acht Perspektiven auf einen kleinen Kosmos, zwei Perspektiven auf einen Roman. Wir alle interpretieren und sehen die Welt anders. Das kann am Roman „Die Unschärfe der Welt“ genau beobachtet werden. Zwei Menschen haben den Roman gelesen und in ihren Rezensionen einen ganz anderen Fokus gesetzt. Durch einen Gastbeitrag gibt es die Möglichkeit zwei Einblicke in Iris Wolffs Roman zu bekommen.

Wie Themis aus der Asche

Es ist ein Aufruf zur aktiven Demokratie, zusammengefasst im Wendeformat auf knapp achtzig Seiten in deutsch-türkischer Ausführung. Der Journalist und Dokumentarfilmer Can Dündar plädiert in seinem 2018 erschienenen Buch „Bir şey yap!“ (dt. = „Tut was!“) für mehr internationale Solidarität und ein Festhalten an demokratischen Grundwerten. Im Rahmen eines polit-historischen Abrisses analysiert er präzise, wie die Demokratie vor allem im europäischen Kontext von Populismus und Angst zunehmend bedroht wird. Gleichzeitig liefert er Lösungsansätze, wie sich einzelne Akteure im kollektiven Zusammenschluss weiterhin für das altbekannte Herrschaftsmodell Demokratie einsetzen können.

Deutschland radikal anders denken

Nach der Streitschrift Desintegriert euch! folgt nun der Essayband Gegenwartsbewältigung vom Lyriker und promoviertem Politologen Max Czollek. Schon zu Beginn des Buches macht der Autor klar: „Ich schreibe das hier nicht für irgendwelche Rechten, sondern für Kolleg*innen, die wegen rechter Drohungen ihre Wohnungen wechseln müssen. Ich schreibe es für meine Familien und Freund*innen: Wir halten uns fest.“ Also kein Dialog mit den Rechten – und das ist auch gut so. Czollek liefert eine scharfsinnige und schonungslose Gegenwartsanalyse und ein bitter nötiges und brandaktuelles Plädoyer für radikale Vielfalt.

Einmal alles bitte!

Bei zweiteiligen Romantiteln, die durch ein „oder“ getrennt sind, könnte man meinen, dass der oder die Autor*in sich nicht recht entscheiden konnte, was das Buch eigentlich wollen soll. Diesen Eindruck kann man durchaus auch beim neuesten Roman von Boualem Sansal „Der Zug nach Erlingen oder Die Verwandlung Gottes“ gewinnen.