„Du machst mich stärker“

Foto: Privat

Von Annika Schmidt

Was klingt wie ein Bibelzitat ist eine Übersetzung aus dem Song Armor von Sara Bareilles: „You make me stronger“. Wer ist dieses „you“? Gemeint sind Frauen. Alle Frauen. Denn Misogynie ist immer noch weit verbreitet, auch unter Frauen. Wir werden so erzogen: Sei besser als die anderen Mädchen, sei hübscher, sei nicht wie die anderen, denn die sind schlecht. Nicht alle bekommen das zu Hause vermittelt, doch unsere Gesellschaft spiegelt das wider. Vielen fällt es schwer, in diesem System klarzukommen. Einige, immer mehr, lehnen sich dagegen auf und rufen zu gegenseitiger Unterstützung auf, andere schluckt das System.

So auch Liz und Sally in Ewald Arenz‘ Roman Alte Sorten. Beide sind Außenseiterinnen – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Sie lernen sich zufällig kennen, haben anfangs viele Schwierigkeiten miteinander und lernen doch auch viele Gemeinsamkeiten kennen. Dieser Roman wurde schon viel besprochen und gelobt aufgrund der ungewöhnlichen und so besonderen Freundschaft zwischen einer jungen Frau und einer älteren Einsiedlerin. Ja, diese Freundschaft ist besonders. Doch warum?

Beiden Frauen begegnet viel Ablehnung, beide verbergen Dinge aus ihrer Vergangenheit und beide sind sich in ihren Grundzügen ähnlich. Doch das ist es nicht, was mich an diesem Roman so begeistert hat. Ich wurde mitgerissen von dem Willen, die andere zu verstehen. Herauszufinden, was ihr passiert ist. Nicht, um es zu wissen, sondern, um ihr helfen zu können. Diese Frauen unterstützen sich, komme was wolle. Sie streiten sich, schreien sich an, schweigen sich an und sind doch füreinander da und helfen, wenn die andere keinen Ausweg mehr sieht.

Die Geschichte der beiden ist ungeschönt und hinterlässt mich trotzdem mit einem wohligen Gefühl. Denn diese Art von Unterstützung unter Frauen ohne sich zu verurteilen, findet sich leider in dem Ausmaß nur selten in der Literatur. Es gibt viele Beispiele, wie gegenseitige Unterstützung von Frauen zu tollen Projekten führen kann, die anderen Kraft geben. Denn wir machen uns gegenseitig stärker, wenn wir zusammenarbeiten. Das sollte sich auch in der Literatur mehr widerspiegeln.

Der Song Armor drückt dieses Gefühl aus: Misogynie muss weg. Er zeigt auf, was falsch läuft und das damit Schluss sein muss. Es ist eine Kampfansage alle Menschen, die immer noch versuchen, Frauen und als solche gelesene als weniger stark und fähig darzustellen als Männer. An Menschen, die versuchen, frauenfeindliche Normen aufrecht zu erhalten und Zwietracht unter Frauen zu säen. Es muss nicht jede*r jede*n lieben, doch das System der weiblichen Unterdrückung ist längst überholt und sollte nicht reproduziert werden.

Daher: Frauen, unterstützt euch gegenseitig, egal, wie unterschiedlich ihr seid! Lest diesen Roman! Und alle Menschen sollten Sara Bareilles Musik hören, denn sie ist großartig!

Alte Sorten, Ewald Arenz, 2020, Dumont, 256 Seiten, 10,00 €.

Amidst the Chaos (Album), Sara Bareilles, 2019, Epic, 53 Min., ca. 7,99 €.

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