Zwischen Fremdheit und Nähe

Foto: privat

von: Sophia Dinges

„Im Exil lebt Heimat nicht von selbst. Sie hat ein künstliches Herz, das jederzeit aufhören kann zu schlagen.“ So beschreibt Asal Dardan in Betrachtungen einer Barbarin das Exil, welches eins ihrer zentralen Themen in ihren zehn autobiographischen Essays einnimmt. Die Autorin selbst stammt aus dem Iran und flüchtete mit ihren Eltern aus dem Kriegsgebiet im frühen Kindesalter. Angekommen in Deutschland wird sie damit konfrontiert sich nirgends zugehörig zu fühlen, weder der deutschen Kultur noch der Iranischen. Die Empfindung des „Andersseins“ und der Fremdzuschreibung begleitet sie stetig in Deutschland. Dardan schildert den Gefühlszustand von Zerrissenheit, wenn sie an ihre Herkunft denkt. Es lebt zum einen eine Sehnsucht in ihr jedoch gleichzeitig eine starke Entfremdung, weil sie den Zugang zu ihrer iranischen Kultur verliert. In ihren Augen ist sie „keine Iranerin [..] und keine Deutsche, und […] doch beides.“

Darüber hinaus schildert sie in den folgenden Essays verschiedene Lebensabschnitte. Dabei bezieht sie sich auf die verschiedenen Orte in denen sie gelebt hat. Nicht nur in Deutschland wird ihr Leben durch rassistische Momente geprägt, auch über Ländergrenzen hinweg erlebt sie Fremdenfeindlichkeit. Sie erklärt „wenn man einer Minderheit angehört, dauert es oft sehr lange, bis man Diskriminierung überhaupt als solche anerkennt.“

In Betrachtungen einer Barbarin setzt sich Dardan jedoch nicht nur mit einschneidenden Themen wie Nationalsozialismus oder Exil auseinander. Ebenso sind Identität, Entfremdung, Flucht, Migration und Herkunft Problematiken, die die deutsch-iranische Schriftstellerin anspricht. Mit ihren Essays macht Dardan gekonnt auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam, die sie von einer kulturwissenschaftlichen Perspektive analysiert. Gleichzeitig benutzt sie eine Sprache, die leicht verständlich ist und zum Nachdenken anregt.  Sie bietet einen persönlichen Einblick in ihre Jugend und auch in ihr Familienleben, wobei Selbstzweifel und Konflikte wie Abtreibung nicht kaschiert werden. Aufgrund von Dardans wunderbaren Schreibstil, ihren reflektierten Gedanken und ihrem Mut auf Ungleichheit aufmerksam zu machen, kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen.

Betrachtungen einer Barbarin, Asal Dardan, 2021, Hoffmann und Campe, 192 Seiten, 22 Euro

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