Bereits zum dritten Mal wird Alfred Döblins Großstadtroman Berlin Alexanderplatz verfilmt, diesmal von Burhan Qurbani. Auf der Berlinale gefeiert, mit zahlreichen Lolas beim Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, kam der Film coronabedingt erst deutlich verspätet in die Kinos. Mit dem neuen Releasedatum trifft der Film im Zuge der Black Lives Matter Bewegung umso mehr den diskursiven Nerv der Zeit.
Kategorie: Buchbesprechungen
// Hier besteht der Raum für Studierende und Alumni zu ihren Buchlektüren zu schreiben, die sie bewegen und interessieren. Doch nicht nur klassische Rezensionen haben hier Platz, sondern auch alles rund um Literatur, Film und andere Medien. //
„Wasser, Schleier und was sich nicht festlegen läßt“: Undine undone
Seit Anfang Juli kann man Christian Petzolds Undine auf Leinwand sehen. Zeit sich die titelgebende Sagenfigur noch einmal genauer anzuschauen, die gemeinsam mit ihren entfernten Verwandten, wie der Seejungfrau und Lorelay, ein beliebtes Motiv der deutschen Romantik war. Aber auch über das 19. Jahrhundert hinaus taucht die Gestalt der Undine immer wieder aus dem Erzählfluss auf und singt.
Alice im Blutrausch
Man nehme eine berühmte Geschichte. Ein Kinderbuch vielleicht, aber eins mit düsterem Potential. Dazu passend noch Blut, viel Blut! So oder so ähnlich könnte das Rezept für Christina Henrys blutigen Fantasy-Horrorroman Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland lauten, der seit März 2020 auf Deutsch zu lesen ist.
Geschichten hörbar machen
Teil der Kultur der Native Americans ist es, Geschichten zu erzählen und sie weiter zu tragen. Und genau das macht Tommy Orange, der selbst Native ist, in seinem Roman Dort Dort auch. Es werden die Geschichten von zwölf Natives erzählt, in ganz unterschiedlichen Stilen, denn alle haben ihre eigene Stimme.
Medium Kinky Twist
„Ein Medium Kinky Twist, bitte!“ – Sie wissen nicht, was das ist? Das ist egal. Die Herkunft der Reisenden bestimmt im Reiseroman, was erklärt werden muss und was nicht. Und als solchen könnte man Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie sehen.
„In der Sprache zu Hause“
Sich nicht verbieten lassen zu sprechen, sich frei von Verboten ausdrücken. Aussprechen, was manche lieber verschwiegen hätten – das ist ihre Aufgabe. Irena Brežná liest aus ihren literarischen Reportagen vor, die sie in Wie ich auf die Welt kam festhält. Sie spricht über ihre Erfahrungen, die sie damals in der Tschechoslowakei und im westlichen Exil gemacht hat.
Transit
Die Rezension Ohne Inhalt Von JL Was assoziiert man mit dem Wort Transit? Durchreise? Aufenthalt an einem Ort, wo man … Mehr
Die Fundamente der Zivilisation
Finden, was zu lange versteckt war. Freilegen, was zu lange verborgen lag. Die Mauern sichtbar machen, die einst das Zentrum einer Hochkultur umringten. Besteht das Fundament der Zivilisation am Ende nur aus profanem Stein? Welche Geheimnisse offenbaren sich den Archäologen, wenn sie die Ruinen einer längst vergangenen Zeit freilegen? Welche Bedeutung haben die Funde für unser Leben? Für unsere Gegenwart?
Als ob hier nichts geschehen wäre
Der U-Boot-Bunker Valentin, der mit einer Million Tonnen Kies und Sand, 132.000 Tonnen Zement und 20.000 Tonnen Stahl aufgebaut wurde, mit einer Länge von 450m sowie 7m-dicken Decken und Wände, um die Werft vor der Bombardierung der Alliierten zu schützen, sollte während des Zweiten Weltkrieges die zweitgrößte U-Boot-Werft in Europa werden. Mithilfe einer beachtlichen Menge an Fotografien von Johann Seubert, den Tagebuchaufzeichnungen von Raymond Portefaix sowie Dokumenten erzählt Jens Genehr in seinem neuen historischen Comic-Buch Valentin aus zwei Perspektiven die grausame Geschichte in diesem gigantischen Bunker zwischen 1943 und 1945.
Rote Schwalbenköpfe und schwarze Krähenfedern
In Prag steht ein orangefarbenes Haus und birgt ein Geheimnis. Unter den Mauern des Hauses befindet sich ein Archiv; eine Lagerstätte von Schachteln und Büchern, Notizen und Fotografien. Sie wurden gesammelt, um Zeugnis zu geben, von der Gewalt, die auf der ganzen Welt und tagtäglich Frauen angetan wird.
Ich mache mir Sorgen
Ich bin nicht Özlem und meine Eltern kommen nicht aus der Türkei, das sollte der Leser wissen. Ich bin männlichen Geschlechts und habe ernsthafte Sorgen nach der Lektüre dieses Werkes bekommen. Die Figur der Özlem, die stellvertretend für eine junge Frau türkischer Abstammung steht, die in Deutschland aufgewachsen ist, erzählt uns von ihren Sorgen und Problemen. Es ist ein schnell zu lesender Überblick über die ersten Lebensjahrzehnte des Mädchens.
Altlasten und Neuanfänge
“Das Vergessen war die Utopie der Stunde”, schreibt der Autor Harald Jähner direkt im ersten Kapitel seines mit dem Preis … Mehr