Ein Tag nach seiner Lesung treffen wir den Autor Deniz Utlu auf ein Gespräch im Rahmen des globale° Literaturfestivals in Bremen. Der in Hannover geborene und in Berlin lebende Utlu ist Autor und Menschenrechtswissenschaftler. Er studierte VWL, kuratierte am Maxim Gorki Theater und dem Ballhaus Naunystraße Lesereihen und gründete das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext. 2014 feierte er mit Die Ungehaltenen sein Debüt im Graf Verlag; bei der diesjährigen globale° stellte er seinen zweiten Roman Gegen Morgen vor, welcher 2019 im Suhrkamp Verlag erschien. Ein Gespräch über Literatur: ihre politischen Dimensionen, ihre Möglichkeiten und Grenzen.
Kategorie: Literatur in der Stadt
// Rund ums Jahr finden in Bremen zahlreiche Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Literatur statt. Festivals, Buchhandlungen, das Literaturhaus und Literaturkontor, zahlreiche Lesungen und andere Literatur-geprägte Orte lassen sich finden und die Erfahrungen und Begegnungen sind die Grundlage für interessante Texte – ob in Interviews, Berichten, szenische Schilderungen oder dem ein oder anderen kreativen Impuls. //
Das verlorene Paradies
Es ist eine merkwürdige Zeit für merk-würdige Begegnungen, ein paar Tage kurz vor dem sogenannten Lockdown light, der auch für die Literatur- und Kulturszene erneute Ungewissheiten birgt. Umso mehr freue ich mich auf ein persönliches Gespräch mit Matthias Nawrat, Autor des 2019 erschienenen Buches Der traurige Gast. Was als ein Gespräch über eben diesen Roman geplant war, entwickelte sich auch zu einem Fragen nach den Möglichkeiten und Potentialen des menschlichen Daseins.
Corona prohibiti
Dreiundzwanzig Veranstaltungen waren als Teil des Literaturfestivals globale° dieses Jahr geplant gewesen. An einem im Nachhinein fast symbolischen Abend – am letzten Tag bevor die Ministerpräsidenten in Berlin für den November neue Regelungen zur Pandemie-Bekämpfung verabschiedeten – wurde im Rathaussaal in Bremen das Festival offiziell eröffnet. Zwölf Reihen an Stühlen wurden im Saal aufgestellt, mit jeweils vier in großem Abstand positionierten Sitzgelegenheiten. Zwei Literat*innen waren für das Gespräch eingeladen worden, zwei Redner richteten Begrüßungsworte an das Publikum. Neun mal fiel der Name des Festivals und sechs mal wurde der Deutsche Buchpreis erwähnt. Ein Wort jedoch wurde um jeden Preis vermieden: Corona.
Humor durch Normalität?
Superbusen! Super Titel? Autorin Paula Irschmler ist sich sicher: Viele haben in der Buchhandlung lieber nicht nach diesem Buch gefragt. Und doch ist ihr Roman ein großer Erfolg. Bei der OUT LOUD Lesungsreihe im Kulturzentrum Lagerhaus las sie aus Superbusen und brachte das Publikum mit ihrer nüchternen Vortragsweise häufig zum Lachen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Katharina Guleikoff, die passend zum Buch Pfeffi mitbrachte. Leider wurde der nur auf der Bühne ausgeschenkt.
Handgepresste Raritäten
Was könnte besser in unsere Bremer Presse Kategorie passen als ein Pressendruck aus Bremen! Im Verlag der gleichnamigen Logbuch Buchhandlung in Bremen-Walle erscheinen kleine und besondere Handpressendrucke. Es werden nur 500 bis 1000 Exemplare pro Ausgabe gedruckt, die Bände sind wirklich etwas Besonderes. Neben den Texten finden sich auch immer kleine Illustrationen in den Bänden.
Eine Nacht rund um die Bremer Literatur
Schon zum 3. Mal fand nun die Bremer Literaturnacht Bremen liest! in Bremen statt. Vom Wellenschlag Text- und Verlagskontor gemeinsam mit dem Bremer Literaturkontor ins Leben gerufen, haben Literaturliebhaber*innen die Chance, die verschiedenen und vielfältigen Buchhandlungen Bremens kennenzulernen. Aber nicht nur das: Auch Verlage und Verleger*innen öffnen ihre Türen und Schriftsteller und Schriftstellerinnen präsentieren ihre literarischen Werke in halbstündigen Lesungen. Grund genug genauer von einem Abend zu berichten, in meinem Fall von den Lesungen beim Kukoon im Park.
Archäologie und Literatur in perfekter Symbiose
Ein großer weiß-gestrichener Raum mit grauem Boden und weißen Säulen. Zwischen den Säulen Stellwände mit schwarzen Buchstaben auf weißem Grund und davor ein rätselhaftes Objekt in einem Glaskasten. Mehr braucht es nicht, denn dieser Minimalismus wirkt wie eine Bühne für den „Raum für Vermutungen“, der um diese Objekte herum entsteht.
Preaching to the choir?
Die erste Lesung seit Beginn der Pandemie. Nicht nur für mich, sondern auch für OUT LOUD im Kulturzentrum Lagerhaus, der weiblichen Lesungsreihe vom Literaturkontor Bremen, mit Unterstützung des Literaturhauses Bremen. Geballte Literaturpower. Im Publikum geballte Frauenpower, denn es sitzen fast ausschließlich Frauen im Publikum. Ist Feminismus nur etwas für Frauen? Dies war eine der Fragen, die das Publikum an die Autorin Julia Korbik stellte, die an diesem Abend aus ihrem Buch Stand Up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene las.
Zusammenstehen statt soziale Distanz
Die sonst so aktive Bremer Literaturszene liegt wie so vieles aktuell brach, zumindest analog. Viele haben virtuell Mittel und Wege gefunden, trotzdem auf sich aufmerksam zu machen und interessante Aktionen sowie Projekte zu starten. So auch das globale°-Festival mit der Decamerone globale°.
F wie Fußball. H wie Herkunft. S wie Sprache.
In drei Sprachen schreibt Saša Stanišić. Deutsch. Serbokroatisch. Englisch. Die serbokroatischen Texte werden nicht veröffentlicht. Die deutschen kommen in Bücher. Werden gedruckt. Und von der Öffentlichkeit gefeiert.
Ein Interview mit Saša Stanišić.
Die Kraft der Sprache nutzen
Im Kultursaal der Arbeitnehmerkammer haben sich an diesem Abend alle nur seinetwegen versammelt: Tomer Gardi. Der israelische Autor ist nach Bremen gekommen, um sein neues Buch Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück vorzustellen. Der Schriftsteller scheint sich auf der gemütlich eingerichteten Bühne in Wohnzimmer-Optik sichtlich wohl zu fühlen.
Leben, Grenzen überschreiten und Gedichte
Grenzüberschreitend ist, auf einer Zeitachse in die Vergangenheit zurückzuschauen. Grenzüberschreitend ist es auch, wenn man einen kulturellen Transfer leistet. Beides vereint Lisel Mueller in ihren Gedichten. 1939 ist sie mit ihrer Familie aus Nazi-Deutschland in die USA geflohen, mit gerade mal 15 Jahren. 1953 beginnt Lisel Mueller durch den frühen Tod ihrer Mutter Gedichte zu schreiben.