Der Roman Normal People von Sally Rooney ist ein Million-Copy -Beststeller: Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und war 2018 Gewinner der Costa Novel Awards und „Buch des Jahres“ bei den Irish Book Awards. Betrachtet man die Rückseite des Buches, finden sich dort zahlreiche weitere Auszeichnungen. Mittlerweile wurde das Buch auch als Serie adaptiert. Doch wie kommt es, dass ein so vielfach gefeierter Roman, der eigentlich nur von dem Leben zweier ganz normaler Menschen handelt, solche Wellen schlägt?
Eine Biographie in Karmesinrot
Manche Bücher geben ein Setting vor, in dem sie gerne gelesen werden möchten. So schlägt man den Liebesroman in türkisem Cover und mit weißer Möwe, die sich über dem Titel erhebt, wohl am liebsten im Liegestuhl im Urlaub auf und den dicken Klassiker nimmt man sich vielleicht eher an einem dunklen Herbstabend im heimatlichen Sessel vor. Es fühlt sich falsch an ein Buch mit dem Titel „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“ zwischen Tür und Angel, mit zerzausten Haaren oder vielleicht im Pyjama zu lesen.
„Call me a new arrival”: Berlin Alexanderplatz revisited
Bereits zum dritten Mal wird Alfred Döblins Großstadtroman Berlin Alexanderplatz verfilmt, diesmal von Burhan Qurbani. Auf der Berlinale gefeiert, mit zahlreichen Lolas beim Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, kam der Film coronabedingt erst deutlich verspätet in die Kinos. Mit dem neuen Releasedatum trifft der Film im Zuge der Black Lives Matter Bewegung umso mehr den diskursiven Nerv der Zeit.
„Wasser, Schleier und was sich nicht festlegen läßt“: Undine undone
Seit Anfang Juli kann man Christian Petzolds Undine auf Leinwand sehen. Zeit sich die titelgebende Sagenfigur noch einmal genauer anzuschauen, die gemeinsam mit ihren entfernten Verwandten, wie der Seejungfrau und Lorelay, ein beliebtes Motiv der deutschen Romantik war. Aber auch über das 19. Jahrhundert hinaus taucht die Gestalt der Undine immer wieder aus dem Erzählfluss auf und singt.
Rostock.
Ich erinnere mich an warme Sommertage und Abende am Strand. Mit Brot, Dips und Bier. Mit guten Gesprächen mit wundervollen Menschen.
Alice im Blutrausch
Man nehme eine berühmte Geschichte. Ein Kinderbuch vielleicht, aber eins mit düsterem Potential. Dazu passend noch Blut, viel Blut! So oder so ähnlich könnte das Rezept für Christina Henrys blutigen Fantasy-Horrorroman Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland lauten, der seit März 2020 auf Deutsch zu lesen ist.
Scham
Wieso passiert mir das? Was habe ich getan? Was mache ich falsch?
Nein, ich gehe spazieren. Ich mache nichts falsch.
Oder?
Geschichten hörbar machen
Teil der Kultur der Native Americans ist es, Geschichten zu erzählen und sie weiter zu tragen. Und genau das macht Tommy Orange, der selbst Native ist, in seinem Roman Dort Dort auch. Es werden die Geschichten von zwölf Natives erzählt, in ganz unterschiedlichen Stilen, denn alle haben ihre eigene Stimme.
Geflieste Freiheit
Es war immer unpraktisch, wenn man in der Pause merkte, dass man aufs Klo musste, weil man nicht während des Unterrichts gegangen war – oder gedurft hatte, je nach autoritärem Geltungsbedürfnis der Lehrperson. Denn in der Pause gehen bedeutete, den Rest der Pause dort verbringen zu müssen.
Medium Kinky Twist
„Ein Medium Kinky Twist, bitte!“ – Sie wissen nicht, was das ist? Das ist egal. Die Herkunft der Reisenden bestimmt im Reiseroman, was erklärt werden muss und was nicht. Und als solchen könnte man Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie sehen.
Zusammenstehen statt soziale Distanz
Die sonst so aktive Bremer Literaturszene liegt wie so vieles aktuell brach, zumindest analog. Viele haben virtuell Mittel und Wege gefunden, trotzdem auf sich aufmerksam zu machen und interessante Aktionen sowie Projekte zu starten. So auch das globale°-Festival mit der Decamerone globale°.
Anastasia Parinow
Ana, gebürtig aus Köln, hat nach einem Studium der Germanistik und Geschichte in Dresden sich das nordische Bremen als Wahlheimat…